Vergleich

Denkmal-Immobilien vs. Neubau: Ein ehrlicher Vergleich

Denkmal oder Neubau? Wir vergleichen Steuervorteile, Rendite, Risiken und Aufwand. Finden Sie heraus, welche Investitionsform zu Ihnen passt.

Aktualisiert: Januar 2026

Einführung

"Soll ich eine Denkmalimmobilie kaufen oder doch lieber einen Neubau?" Diese Frage stellen sich viele Anleger, die in Immobilien investieren möchten. Die Antwort ist nicht pauschal möglich - beide Investitionsformen haben ihre Stärken und Schwächen.

In diesem Artikel vergleichen wir Denkmal-Immobilien und Neubauten in allen relevanten Kategorien: Steuervorteile, Rendite, Risiken, Aufwand und Eignung für verschiedene Anlegertypen. Am Ende werden Sie wissen, welche Option besser zu Ihrer Situation passt.


Kategorie 1: Steuervorteile

Denkmal-Immobilie

Die Denkmal-AfA bietet außergewöhnliche Abschreibungsmöglichkeiten:

AspektDenkmal-AfA
Sanierungskosten100% absetzbar in 12 Jahren
Jährliche Sätze9% (Jahr 1-8), 7% (Jahr 9-12)
Altbausubstanz2-2,5% jährlich (normal)
Eigennutzung90% in 10 Jahren möglich
Steuerersparnis-Beispiel (400.000 Euro, 70% Sanierung, 42% Steuersatz):
  • Gesamtersparnis: ca. 125.000 Euro über 12 Jahre
  • Jährliche Ersparnis Jahr 1-8: ca. 11.000 Euro

Neubau

Neubauten bieten deutlich geringere Abschreibungsmöglichkeiten:

AspektNeubau-AfA
Gebäudewert3% jährlich (bei Baubeginn nach 2023)
Zeitraum33 Jahre
GrundstückNicht absetzbar
EigennutzungKeine Abschreibung möglich
Steuerersparnis-Beispiel (400.000 Euro, 80% Gebäudewert, 42% Steuersatz):
  • Jährliche AfA: 9.600 Euro
  • Jährliche Steuerersparnis: ca. 4.000 Euro
  • Gesamtersparnis über 12 Jahre: ca. 48.000 Euro

Vergleich Steuervorteile

KategorieDenkmalNeubauDifferenz
AfA Jahr 1-89% San.3% Geb.Denkmal +++
Gesamtersparnis (12 J.)~125.000 Euro~48.000 EuroDenkmal +77.000 Euro
EigennutzungJa (90%)NeinDenkmal +++
KomplexitätHöherNiedrigerNeubau +
Sieger Steuervorteile: Denkmal-Immobilie (mit großem Abstand)

Kategorie 2: Mietrendite

Denkmal-Immobilie

Denkmalimmobilien liegen oft in gefragten Innenstadtlagen, was Vor- und Nachteile hat:

Typische Kennzahlen:
  • Kaufpreis pro qm: 4.000-7.000 Euro
  • Mietpreis pro qm: 12-18 Euro (kalt)
  • Bruttomietrendite: 2,5-4%
  • Nettomietrendite: 2-3%
Einflussfaktoren:
  • Historische Bausubstanz oft in A-Lagen
  • Hohe Nachfrage nach charaktervollen Wohnungen
  • Mietpreisbremse kann in gefragten Städten greifen
  • Höhere Instandhaltungskosten möglich

Neubau

Neubauten bieten moderne Standards, oft in Randlagen:

Typische Kennzahlen:
  • Kaufpreis pro qm: 4.500-8.000 Euro
  • Mietpreis pro qm: 14-22 Euro (kalt)
  • Bruttomietrendite: 3-4%
  • Nettomietrendite: 2,5-3,5%
Einflussfaktoren:
  • Moderne Energiestandards (niedrige Nebenkosten für Mieter)
  • Geringere Instandhaltung in ersten Jahren
  • Oft in B-Lagen oder Stadtrandgebieten
  • Hohe Konkurrenz durch Neubauprojekte

Vergleich Mietrendite

KategorieDenkmalNeubau
Bruttomietrendite2,5-4%3-4%
Nettomietrendite2-3%2,5-3,5%
LageOft A-LageOft B-Lage
WertsteigerungspotenzialHoch (Knappheit)Mittel
InstandhaltungskostenHöherNiedriger
Sieger Mietrendite: Unentschieden (kontextabhängig)

Kategorie 3: Wertsteigerungspotenzial

Denkmal-Immobilie

  • Knappheit: Es werden keine neuen Denkmale gebaut
  • Lage: Oft historische Innenstadtlagen
  • Nachfrage: Steigende Nachfrage nach charaktervollen Wohnungen
  • Risiko: Sanierungsqualität und Denkmalauflagen
Historische Wertentwicklung: Gut sanierte Denkmalimmobilien in attraktiven Städten haben oft überdurchschnittliche Wertsteigerungen erfahren.

Neubau

  • Angebot: Ständig neue Projekte am Markt
  • Alterung: Neubau von heute ist Altbau von morgen
  • Lage: Wertsteigerung stark lageabhängig
  • Risiko: Marktsättigung in manchen Regionen
Historische Wertentwicklung: Stark standort- und qualitätsabhängig. Neubauten in gefragten Lagen entwickeln sich gut, in weniger gefragten Lagen besteht Abwertungsrisiko.

Vergleich Wertsteigerung

KategorieDenkmalNeubau
KnappheitsfaktorHochNiedrig
LagequalitätMeist hochVariabel
LangfristpotenzialGutLageabhängig
AbwertungsrisikoGering (bei guter Sanierung)Möglich
Sieger Wertsteigerung: Denkmal-Immobilie (tendenziell)

Kategorie 4: Risiken

Risiken bei Denkmal-Immobilien

1. Sanierungsrisiken
  • Versteckte Mängel in der Bausubstanz
  • Kostenüberläufe bei der Sanierung
  • Verzögerungen im Zeitplan
  • Qualitätsmängel bei der Ausführung
2. Regulatorische Risiken
  • Auflagen der Denkmalbehörde
  • Einschränkungen bei späteren Umbauten
  • Komplexe Abstimmungsprozesse
3. Vermietungsrisiken
  • Spezifischer Mietergeschmack erforderlich
  • Möglicherweise höherer Modernisierungsbedarf
  • Energetische Einschränkungen
4. Steuerliche Risiken
  • Änderungen der Steuergesetzgebung
  • Aberkennung der Bescheinigung bei Mängeln
  • Nachversteuerung bei Verkauf vor Spekulationsfrist

Risiken bei Neubauten

1. Baurisiken
  • Bauträgerinsolvenz
  • Baumangel und Gewährleistungsansprüche
  • Verzögerungen bei der Fertigstellung
2. Marktrisiken
  • Überangebot in manchen Regionen
  • Schnellere "Alterung" bei hoher Neubauquote
  • Preiskorrekturen bei Marktsättigung
3. Renditerisiken
  • Hohe Kaufpreise drücken Rendite
  • Keine steuerlichen Puffer
  • Abhängigkeit von stabilen Mieteinkünften

Risikovergleich

RisikotypDenkmalNeubau
BauqualitätAbhängig von SanierungStandardisiert
KostensicherheitGeringerHöher
RegulatorikKomplexEinfacher
MarktrisikoGeringer (Knappheit)Höher
SteuerrisikoVorhandenGering
GesamtrisikoMittel-HochMittel
Sieger Risikoprofil: Neubau (geringere Komplexität)

Kategorie 5: Aufwand für den Anleger

Aufwand bei Denkmal-Immobilien

Vor dem Kauf:
  • Prüfung des Denkmal-Status
  • Verstehen der geplanten Sanierungsmaßnahmen
  • Analyse der Bescheinigungsfähigkeit
  • Steuerberater-Einbindung
Während der Sanierung:
  • Baufortschrittskontrolle (wenn Neukauf)
  • Abstimmung mit Denkmalbehörde
  • Dokumentation für Finanzamt
Nach Fertigstellung:
  • Jährliche Steuererklärung mit AfA-Anlage
  • Denkmalgerechte Instandhaltung
  • Eventuell komplexere Vermietung
Zeitaufwand: Höher, insbesondere steuerlich

Aufwand bei Neubauten

Vor dem Kauf:
  • Marktvergleich
  • Prüfung des Bauträgers
  • Standardfinanzierung
Während der Bauphase:
  • Bauabnahmen
  • Mängelrügen
Nach Fertigstellung:
  • Standard-Steuererklärung
  • Normale Vermietung
  • Routineinstandhaltung
Zeitaufwand: Geringer, Standard-Prozesse

Aufwandsvergleich

AspektDenkmalNeubau
KaufprozessKomplexerEinfacher
SteuererklärungKomplexStandard
VerwaltungAnspruchsvollerEinfacher
ExpertenbedarfHochMittel
GesamtaufwandHochMittel
Sieger Aufwand: Neubau (deutlich einfacher)

Kategorie 6: Gesamtrendite nach Steuern

Hier zeigt sich der entscheidende Unterschied. Vergleichen wir zwei identische Investments:

Annahmen für beide Szenarien

  • Kaufpreis: 400.000 Euro
  • Eigenkapital: 80.000 Euro (20%)
  • Fremdkapital: 320.000 Euro (80%)
  • Zinssatz: 3,5%
  • Grenzsteuersatz: 42%
  • Betrachtungszeitraum: 12 Jahre

Szenario A: Denkmal-Immobilie

  • Sanierungskostenanteil: 70%
  • Bruttomietrendite: 3%
  • Wertsteigerung: 2% p.a.
Position12-Jahres-Summe
Mieteinnahmen (nach Kosten)115.000 Euro
Steuerersparnis Denkmal-AfA125.000 Euro
Steuerersparnis Zinsen35.000 Euro
Wertsteigerung107.000 Euro
Minus Zinskosten-100.000 Euro
Gesamtergebnis282.000 Euro

Szenario B: Neubau

  • Gebäudewertanteil: 80%
  • Bruttomietrendite: 3,5%
  • Wertsteigerung: 1,5% p.a.
Position12-Jahres-Summe
Mieteinnahmen (nach Kosten)130.000 Euro
Steuerersparnis Normal-AfA48.000 Euro
Steuerersparnis Zinsen35.000 Euro
Wertsteigerung78.000 Euro
Minus Zinskosten-100.000 Euro
Gesamtergebnis191.000 Euro

Differenz

Die Denkmal-Immobilie erzielt in diesem Vergleich ein um 91.000 Euro besseres Ergebnis - hauptsächlich durch die erhöhte Steuerersparnis.

Sieger Gesamtrendite: Denkmal-Immobilie (bei hohem Steuersatz)

Wann Denkmal besser ist

Eine Denkmal-Immobilie ist die bessere Wahl, wenn:

  • Hoher Grenzsteuersatz - ab 42% entfaltet die AfA ihre volle Wirkung
  • Langfristiger Anlagehorizont - mindestens 12-15 Jahre geplant
  • Interesse an Immobilien - Sie schätzen die Anlageklasse
  • Bereitschaft zur Komplexität - Sie arbeiten gerne mit Steuerberater
  • Stabiles hohes Einkommen - über den gesamten AfA-Zeitraum
  • Wertschätzung für Altbau - Sie mögen historische Substanz

  • Wann Neubau besser ist

    Ein Neubau ist die bessere Wahl, wenn:

  • Niedriger Steuersatz - unter 35% lohnt Denkmal-AfA weniger
  • Einfachheit gewünscht - Sie möchten wenig Aufwand
  • Unsicheres Einkommen - Karriere oder Einkommen im Wandel
  • Kürzerer Horizont - möglicherweise Verkauf vor 12 Jahren
  • Moderne Standards wichtig - Energieeffizienz, Smart Home
  • Risikoaversion - Sie bevorzugen kalkulierbare Investitionen

  • Die hybride Strategie

    Manche Anleger kombinieren beide Ansätze:

  • Denkmal-Immobilie während der Hochverdienerphase (35-55 Jahre)
  • Neubau als Altersvorsorge-Immobilie mit geringerem Aufwand
  • Diese Strategie nutzt die Steuervorteile in der Phase des höchsten Einkommens und schafft gleichzeitig eine pflegeleichte Basis für das Rentenalter.


    Fazit: Es hängt von Ihrer Situation ab

    KriteriumSieger
    SteuervorteileDenkmal +++
    MietrenditeUnentschieden
    WertsteigerungDenkmal +
    RisikoprofilNeubau +
    AufwandNeubau ++
    Gesamtrendite (hoher Steuersatz)Denkmal ++
    Für Gutverdiener mit langfristigem Horizont: Die Denkmal-Immobilie bietet durch die überlegenen Steuervorteile meist das bessere Gesamtergebnis - trotz höherer Komplexität. Für alle anderen: Der Neubau bietet ein einfacheres, transparenteres Investment mit weniger Unwägbarkeiten.

    Die Entscheidung sollte nie allein auf Steuern basieren. Beide Optionen sind nur sinnvoll, wenn die Immobilie als Investment grundsätzlich überzeugt: gute Lage, solide Substanz, nachhaltige Vermietbarkeit.


    Stand: Januar 2026 Hinweis: Die Vergleiche basieren auf typischen Marktbedingungen. Individuelle Ergebnisse können abweichen.